German Summary

Das Projekt untersucht die Genese der gegenwärtigen Vorstellungen von Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung und nimmt dabei die miteinander verflochtenen Geschichten von Kybernetik, der Theorie komplexer Systeme und von Nachhaltigkeit in den Blick. Das Ziel des Projektes besteht in der Weiterentwicklung epistemologischer und methodologischer Grundlagen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung, die auf dieser repräsentationsgeschichtlichen Basis möglich wird: das Arbeiten an der Art und Weise, wie Nachhaltigkeit als solche konzeptualisiert wird, leistet einen substantiellen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Vorstellungen über nachhaltige Entwicklung, das ist die zentrale Ausgangsthese des Projekts, unterliegen immer noch über weite Strecken einem Steuerungsideal, in dem sich die Kontrollkultur des 20. Jahrhunderts spiegelt, ja sie sind sogar ein zunehmend prominenter Ausdruck jener Kontrollfaszination, die den weit ausgreifenden Prozess der Kybernetisierung des Wissens und Denkens bis heute trägt. Damit verbindet sich die Vorstellung, dass nachhaltige Entwicklung auf Basis präziser Systemkenntnisse durch Steuerungs- und Kontrollvorhaben bestmöglich erreicht werden könne. Alternativen zu dieser anthropozänen oder kybernetischen Illusion, wie sie beispielsweise die Logik koevolutiver Prozesse in komplexen adaptiven Systemen oder transdisziplinären Konzeptionen von Nachhaltigkeit darstellen, existieren zwar, bedürfen allerdings noch der Konsolidierung und haben erst noch breitere Anerkennung zu gewinnen.

Das Projekt nähert sich dem Ziel in drei Schritten: Im Rahmen einer Big Data-Analyse wird die Verschränkung der Diskurse zu Nachhaltigkeit, Kybernetik, der Theorie komplexer Systeme und Transdisziplinarität untersucht. Das Bearbeiten großer Mengen von Texten erlaubt es, Grundzüge, Muster und Verbindungen zwischen Diskursgemeinschaften, Textsorten und Phasen zu erkennen. Das gewonnene Material wird sodann diskursanalytisch bearbeitet, wodurch konkrete Inhalte und Sinnstrukturen offengelegt werden können.

Aufbauend auf diesen archäologischen Grundlagenarbeiten wird die Ausarbeitung und Konsolidierung alternativer Konzeptionen von Nachhaltigkeit, nachhaltiger Entwicklung und Nachhaltigkeitsforschung fokussiert. Dabei wird selbst transdisziplinär vorgegangen. Nicht nur aus akademischer Perspektive, sondern aus einem Perspektivenpluralismus, der einem kooperativen Forschen mit VertreterInnen unterschiedlicher Gesellschaftsbereiche erwächst, werden Wege der Entwicklung und Forschung im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung erarbeitet und beschritten.